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1001 Wege sich selbstständig zu machen

Selbst und ständig – der Standardspruch, den man immer wieder hören muss. Wie ist es denn jetzt wirklich, selbstständig zu sein? Darauf gibt es keine passende Antwort. Aber es gibt Erfahrungen und hier möchte ich dir von meiner erzählen, aus dem Nähkästchen plaudern, dir ein paar Ratschläge geben, erzählen, was Ängste, Träume und Visionen mit einem machen, welche Fehler ich gemacht habe und wie du diese Fehler vielleicht vermeiden kannst.

Huch – aus Versehen selbstständig

Ich begann 2005 zu fotografieren, meine Eltern schenkten mir eine Kamera, die von da an mein ständiger Begleiter war. Ich fotografierte zuerst Gegenstände, dann meine beste Freundin und mich, dann mal nur mich und irgendwann kam die erste Anfrage für eine Hochzeit. So rutschte ich mehr oder weniger ins Fotografenleben hinein. Ein paar Jahre – und viele Hochzeiten später – war ich auf der Suche nach einem Nebenjob. Ich probierte alles aus, doch nirgendwo kam ich mit der Arbeit zurecht. Meine Mama brachte mich dann dazu, mir meinen eigenen Nebenjob zu erschaffen: Ich meldete am 3.1.2010 mein Nebengewerbe an. Es war die Lösung für mich.

Ich meisterte zwei Ausbildungen, Fach- und Vollabitur mit besagtem Nebengewerbe, wurde in Teilzeit bei einer Design-Agentur eingestellt und merkte: Zwei Vollzeitjobs zu stemmen ist ganz schön hart. Es stand eine Entscheidung an und ich entschied mich für die, die mir mehr Spaß machte: Unabhängig arbeiten, selbst entscheiden wann, wie und wo, nur noch das tun, was ich gut konnte und was mir wirklich Freude machte. Selbstständigkeit Ahoi!

Mein Weg in die Selbstständigkeit führte also über eine Kündigung, in die Arbeitslosigkeit, darüber zum Existenzgründerzuschuss und da war ich: Selbstständig. So locker flockig wie sich das runter tippen lässt war es natürlich nicht. Der Weg dahin war gespickt mit vielen Fortbildungen (die mich nicht interessierten), Workshops, Gesprächen mit Steuerberatern (die mich immer verunsicherten und kleiner machten), Gegenwind aus den eigenen Reihen, aber auch viel Unterstützung und Verständnis. Nichts davon war einfach und vieles hätte ich gerne einfach gestrichen. Doch das Ziel, endlich selbstbestimmt zu arbeiten, war mir wichtiger als all das. Ich MUSSTE es erreichen. Also überschritt ich meine eigenen Grenzen und ging die Wege ohne zu wissen, wohin sie wirklich führten. Mittlerweile bin ich seit 2017 Vollzeit-Selbstständig und verheiratet, seit 2018 noch dazu Mama.

1001 Wege in die Selbstständigkeit

Auf meinem Weg in die Selbstständigkeit war ich immer wieder verunsichert. Behördengänge, Fachchinesisch und fehlendes Wissen in vielen Bereichen waren daran schuld. Ihr müsst wissen: Ich bin eigentlich Typ „Sicherheit“. Am liebsten wüsste ich was in fünf Jahren mal ist und wie ich finanziell aufgestellt bin und ein geregeltes Gehalt ist (und bleibt erstmal) ein Traum für mich. Aber ich merkte, dass dieses Selbstständigkeitsding so nicht funktioniert.

Auf diesem Weg also, in die Selbstständigkeit unterhielt ich mich mit enorm vielen Leuten, die eben auch selbstständig waren. Die unterschiedlichsten Leute traf ich da. Und nirgendwo fand ich einen Punkt, der sich mit meinen Erfahrungen überschnitt. Bei denen lief alles so anders. Ich war, schon wieder, verunsichert. Bis ich irgendwann Begriff: Jeder trifft Entscheidungen, die zu seinem Leben passen. Jeder trifft Entscheidungen, basierend auf den eigenen, bereits gemachten Erfahrungen. Jeder ist anders er/sie selbst. Jeder ist anders selbstständig.

Der Haken an dieser Selbstständigkeitssache

Also schmiss ich alle Prinzipien über Bord und segelte ins Blaue. Mein neues Motto: Fehler machen und eingestehen, kurz ärgern, weitermachen. Und ich machte viele Fehler. Gott sei dank. Letztendlich bin ich die Summe aus allen Fehlern, Entscheidungen und Erfolgen die ich mache. Und diese Dinge sind enorm wichtig. In keinem anderen Beruf entwickelst du dich so stark weiter, wie in einer Selbstständigkeit. Gerade weil so viele Wege nach Rom führen. Wie gern hätte ich irgendwo gelesen: „So machst du dich selbstständig – Der Leitfaden für ein glückliches und erfülltes Leben“

Es gibt nicht diesen einen Weg. Manche rutschen aus Versehen hinein, anderen ist es bereits in die Wiege gelegt, wieder andere erben und wieder andere haben gar keine Wahl. Es gibt 1001 Wege sich selbstständig zu machen (Meist fängt es jedoch damit an, sich Ziele zu stecken. Lies hier mehr darüber). Und da liegt der Hund begraben. Denn wenn wir ehrlich sind: Ist es nicht immer am schwierigsten einfach anzufangen? Ganz egal ob es nun Sport ist, lernen, putzen, Behördengänge, Arztbesuche oder selbstständig machen. Der Anfang ist immer hart.

Dein Weg in die Selbstständigkeit

Jetzt fragst du dich bestimmt, wann denn endlich der Punkt in diesem Blogpost kommt, der dich pusht und motiviert dich selbstständig zu machen. Tja, darauf wirst du lange warten müssen.

Ich kann dir zwar sagen:
„Do it!“
„Beweg deinen Arsch zum Gewerbeamt!“
„Hör auf rumzuheulen und verändere selbst etwas!“

Aber damit ist es eben nicht getan. Du bist dein eigener Chef, du musst deine eigenen Entscheidungen treffen. Vor allem musst du dich selbst, aber aktiv dazu entscheiden konkrete Schritte zu tun und dir auch Gedanken darum machen, welche Konsequenzen das haben kann. Als ich anfing Hochzeiten zu fotografieren, war mir nicht bewusst, dass die Sommerwochenenden für mich quasi nichtexistent sein würden. Zusätzlich zu meinem Teilzeitjob hatte ich also 6 Tage die Woche Arbeit (sonntags war ich meist so fertig von den Samstagen, dass ich einfach nichts tat, um mich zu erholen). Über diesen Punkt hätte ich vorher zumindest einmal nachdenken können. Doch es gibt auch Dinge, die du einfach machen musst, damit du siehst, was funktioniert und was nicht.

Wo wir gerade bei den Fehlern sind

Fehler und Ängste sind für mich ein Muss in der Selbstständigkeit. Nicht weil ich sie so außerordentlich geil finde. Aber sie haben doch etwas Gutes: Man wächst daran. Und man macht sie garantiert kein zweites Mal. Hier also ein bisschen was aus meinem Nähkästchen:

  1. Ich traute mich nie, einen Steuerberater zu fragen, wenn ich Fragen zu Steuer- und Finanzamtdingen hatte. Aus Angst vor Worten die ich nicht verstand, fragte ich einfach gar nicht und machte einfach. Hätte ich einen Steuerberater frühzeitig eingeweiht, wären mir manche, sehr dumme Fehler erspart geblieben.
  2. Ich verkaufte mich am Anfang unter Wert. Wie auch sonst, ich wusste ja nicht, was ich für andere Wert bin. Noch dazu ein niedriges Selbstbewusstsein, plus ständige Selbstzweifel und CHECK: Ganztagesreportage für 800€ verkauft. (Und alle Fotografen so: WHAAAAAT?!)
  3. Ich hörte auf die falschen Leute. Nämlich die, die mich klein redeten, mir sagten, dass ich nicht gut genug bin, es nicht drauf habe und sowieso scheitern werde. Einer von diesen Leuten, war ich selbst.
  4. Ich glaubte zu wenig an meine Träume und Wünsche, hatte keine Ziele.
  5. Ich investierte in unnötige Dinge: Programme, die nett waren, bei denen ich aber auch schon vorher hätte wissen können, dass sie mir das arbeiten nicht erleichtern. Workshops die gehyped wurden, die sich alle kauften und die ich dann eben auch brauchte, nur um auf der Welle mit zu schwimmen.

Lebe deinen Traum und habe eine Vision

Nichts bringt dir etwas, wenn du kein Ziel hast. Und wenn es „nur“ glücklich sein ist. Ziel ist Ziel. Bevor du dich selbstständig machst, möchte ich dich ermutigen herauszufinden, was deine Ziele sind.

Möchtest du selbstständig sein um irgendwann dein eigenes kleines Unternehmen zu haben, mit Mitarbeitern und Büroräumen? Oder möchtest du lieber nur nebenbei etwas mehr Geld verdienen? Allein sich diese Frage zu stellen verändert schon alles. Denn ersteres ist ein großes Ziel, auf dass du hinarbeiten musst. Letzteres macht diese Selbstständigkeitssache etwas entspannter für dich. Mach dir klar, was deine Träume sind und ob du sie durch eine Selbstständigkeit eher, besser oder einfacher erreichen kannst.

Es gibt solche und solche

Es gibt Menschen, die sind völlig okay damit in einem normalen Job angestellt zu sein. Von neun bis fünf arbeiten oder im Schichtbetrieb, nachhause kommen, Alltag, schlafen gehen. Repeat. Für die ist das voll okay. Sie lieben das. Sie könnten sich nicht vorstellen, selbstbestimmt zu arbeiten ohne geregelte Arbeitszeiten und der Ungewissheit, wieviel Geld am Ende des Monats auf dem Konto liegt. Aber es gibt eben auch Träumer und Visionäre. Menschen, die weiterdenken als bis zum ersten Kaffee in der Firma. Menschen, die einen Wunsch in sich tragen und an ihn glauben. Menschen, die Ideen haben, die die Welt verändern könnten. Menschen, wie du wahrscheinlich einer bist, weil du diesen Blogpost liest. Und es muss sie geben. Beide Sorten.

Denn ohne die „Normalen“ würde es viele Dinge nicht geben. Oder meinst du Pflegekräfte machen ihren Job, weil das Gehalt und die Arbeitsbedingungen so toll sind? Sicher haben diese Leute auch Träume und Visionen. Und womöglich leben diese Personen ihre Träume auch aus. Nur eben mit einem sicheren Job. Verstehst du, was ich dir sagen möchte? Unser Leben liegt in unseren Händen und wenn du dich nicht traust, auf Risiko zu spielen, ist Selbstständigkeit vielleicht nicht dein Ding. Und dann ist das auch okay und gut so. Glücklich leben und erfüllt sein, kannst du trotzdem.

Selbstständig sein, wie das wohl wird?

Das kann dir keiner sagen. Im Film „The Greatest Showman“ gibt es ein Lied, dass man hier einfach perfekt einbinden kann. Es heißt „The other side“ und handelt von zwei Männern, die beruflich auf verschiedenen Seiten stehen und der eine versucht den anderen zu überzeugen, bei ihm einzusteigen. Dort heißt es in einer der Strophen:

„Just let me give you the freedom to dream
And it’ll wake you up and cure your aching
Take your walls and start ’em breaking
Now that’s a deal that seems worth taking
But I guess I’ll leave that up to you.“
I guess I’ll leave that up to you.

Niemand – wirklich niemand – kann dir sagen, was dein nächster Schritt ist oder wie dein Leben aussehen wird. Aber genau das ist doch auch das spannende. Denn dieses eine Leben das ich habe, möchte ich nicht mit einem (für mich) langweiligen Job verbringen, in einem Großraumbüro, mit anderen super kreativen Menschen, die von acht bis neun kreativ sein müssen um dann irgendwann sagen zu können: „Wenn ich Rentner bin, mache ich mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Ne, die mach ich mir jetzt schon, wie sie mir gefällt. Und den Preis, den ich dafür bezahle, der ist es mir zu diesem Zeitpunkt mehr als Wert.

„So trade that typical for something colorful
And if it’s crazy, live a little crazy
You can play it sensible, a king of conventional
Or you can risk it all and see.“
Das überlasse ich wohl dir.

Und wenn es verrückt ist? Dann leb’ ein bisschen verrückter. Was kann denn im schlimmsten Fall passieren?

Comments

  • 18. März 2020
    reply
    Ina

    So toll geschrieben Tami und vielen Dank für deine ehrlichen Worte.

    Es ist einfach nicht alles super und toll und der Weg erst recht nicht.

    Es ermutigt mich gerade sehr einfach weiter zumachen, auch wenn ich ein kleines Tief habe.

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